Eine Fallstudie zur Überwachung anhand der Hochschulbibliothek Zwickau.
Manchmal ist es schon interessant, worüber man so nachdenkt wenn man stundenlang in der Hochschulbibliothek unterwegs ist und Bücher einsortiert. Gestern hab ich mir mal wieder einige Gedanken zu den Sicherheitseinrichtungen gemacht, aufgefallen sind mir dabei sowohl die Kameras als auch die RFID-Marken in den Büchern als wichtigste Werkzeuge. Weniger offensichtlich sind so Sachen wie die Alarmanlage für das ganze Gebäude oder der Zwang seine Taschen und Jacken in einem Vorraum der Bibliothek einzuschließen.
Jetzt klingt das Ganze so grundsätzlich recht sicher… und das Wäre es auch, wenn die 2 Kameras pro Etage nicht ausgerechnet so aufgestellt wären, dass man durchs ganze Gebäude laufen kann ohne auch nur einmal im Bild zu erscheinen. (Natürlich sollte man den Platz direkt vor der Kamera auslassen) Die Kameras sind weder auf die Treppen gerichtet, noch auf den Fahrstuhl. Eigentlich ist es schon wirklich eine Leistung mit ganzen 6 Kameras einen Glasbau derartig schlecht zu überwachen. (Ich könnte aus 2 Positionen so ziemlich das ganze Gebäude überblicken wenn ich mich geschickt aufstelle.) Einzige Ausnahme ist die Kamera am Eingang, die ist jedoch leider so hoch aufgehängt dass man auf den Videos wohl kaum ein Gesicht erkennen würde.
Bleibt die Frage warum überhaupt Kameras aufgehängt wurden, gegen Diebstahl werden die wohl kaum etwas ausrichten, dazu sind sie zu schlecht positioniert und selbst die Person an der Ausleihe hat sicher besseres zu tun als auf einen kleinen, in 9 Teile geteilten, mini-Monitor zu starren und zu rätseln wer dort welches Buch wohin schleppt. Gegen einen bewaffneten Raubüberfall könnten die Kameras evtl. was bringen (in einer Bibliothek? 0.o ) aber das auch nur, wenn die über die Tür die Bibliothek betreten, nach oben in die Kamera sehen (oder rein zufällig in eine der entferntesten Ecken der Bibliothek gehen) und NICHT auf die Idee kommen das Band mitzunehmen. (Die Überwachungsanlage steht komplett an der Ausleihe, gut sichtbar neben der Kasse.)
Die RFID-Tags sind schon erheblich wirkungsvoller. Gut, man kann sie einfach mit dem Fingernagel anheben und herausnehmen, sie sind jetzt auch nicht wirklich versteckt, aber zumindest die Unabsichtliche Entfernung nichtausgeliehener Bücher aus dem Gebäude verhindern sie recht gut. (Das wird wohl auch eher ihr Sinn sein als die Verhinderung von absichtlichem Diebstahl.)
Bleibt noch die Methode alle Leute dazu zu zwingen ihre Klamotten in einen Spind am Eingang zu hängen und ohne Taschen in die eigentliche Bibliothek zu gehen. Das würde das mitnehmen größerer Büchermengen durchaus erschweren, zumindest wenn es nicht üblich wäre die Körbe mit Büchern wieder zurück bis dorthin zu tragen (dort werden sie ja auch gesammelt) und dann dort die per selbstausleihe registrierten Bücher in den Rucksack zu packen. Wer will schon überwachen, welches Buch jemand durch den Scanner gezogen hat und welches nur daneben lag?
Fazit: Die Bibliothek funktioniert, die Überwachung hingegen nicht, man könnte sie auch weglassen. Gut dass die Nutzer relativ vernünftig sind.

